Können weniger Thrombozyten transfundiert werden?

von Urs am 2. Dezember 2010

Gibt es eine kritische Menge für transfundierte Thrombozyten? Eine Arbeit zeigt, dass mit 50% der bisherigen Dosis gleich gute Erfolge erreichbar sind.

Nach einer Chemotherapie oder einer Hochdosistherapie müssen oft prophylaktisch Thrombozyten gegeben werden. Die nötige Menge ist bisher unklar.

In einer prospektiven, randomisierten Multizenterstudie wurden deshalb die Butungskomplikationen und transfundierte Thrombozytenmenge korreliert. N Engl J Med 2010; 362:600-613

1272 Patienten wurden nach Grundkrankheit und Therapie stratifiziert. Eine prophylaktische Thrombozyten Transfusion wurde bei Werten <10’000/mm3 gegeben. Butungen wurden dokumentiert gemäss WHO Kriterien. Randomisiert wurden entweder tiefe Thrombozyten Mengen (1.1 x 1011), mittlere Mengen (2.2 x 1011) oder hohe Mengen (4.4 x 1011) transfundiert.

Blutungen Grad ≥2 traten bei 71% / 69% / 70% auf (tiefe / mittlere / hoche Menge Thrombozyten). Ebenso war die Dauer der Blutung, die Menge und Häufigkeit der Erythrozyten Transfusionen. Erwartungsgemäss war der Thrombozyten Anstieg unterschiedlich. Ebenso war die Gesamtmenge von benötigten Thrombozyten verschieden. 9.25 x 1011, 11.25 x 1011 und 19.63 x 1011 bei den tiefen, mittleren respektive hohen Thrombozytenmengen.

Diese gut durchgeführte Studie gibt wertvolle Richtlinien für die prophylaktische Gabe von Thrombozyten. Bei einem Schwellenwert von 10’000 Thrombozyten würde eine tiefe Thrombozytenmenge genügen. So könnten die Reserven effizienter eingesetzt werden. Die Hälfte der bisherigen Thrombozyten Transfusionsmenge würde genügen.

New York State Council on Human Blood and Transfusion Services
Handbook of Transfusion Medicine, Fourth edition: January 2007

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