Supraclaviculäre Radiotherapie nicht routinemässig nötig?

von Urs am 15. Dezember 2010

Muss nach brusterhaltender Therapie des Mammakarzinoms auch supraclaviculär eine Radiotherapie durchgeführt werden? Dieser Frage ging eine Studiengruppe in Florenz nach. (Int J Radoat Oncol Biol Phys 2010; 76:978-983)

Seit längerer Zeit wird üblicherweise eine tangentiale Brustbestrahlung nach brusterhaltender Operation empfohlen. Viele Radioonkologen bestrahlen jedoch auch die supraclaviculären Lymphknotenstationen. Studien weisen auch darauf hin, dass eine gute lokoregionale Kontrolle nach Radiotherapie der Axilla, der Mammaria interna Lymphknoten und der supraclaviculären Lymphknoten das Überleben zu verbessern scheint.

Es wurde das Outcome von 5717 konsekutiv von 1980 bis 2003 behandelten Patienten ausgewertet. Alle Patientinnen wurden tangential bestrahlt. Rezidive waren selten. Auch bei Patientinnen mit mehr als 3 befallenen axillären Lymphknoten war das Rezidiv meist aufgrund von peripheren Metastsen und nur 2.2% hatten initial supraclaviculäre Lymphknotenmetastasen.

Die Studienleitung findet, dass eine routinemässige supraclaviculäre Radiotherapie nicht indiziert ist. In den Diskussionen wird aber dagegen gesprochen. Eine gesamthaft 5% Rezidivrate und ein 2% Chance jemanden zu retten rechtfertige eine supraclaviculäre Radiotherapie.

Wie das Strahlenfeld bestimmt wird, wird sicher noch länger diskutiert werden. Wichtig für uns Nicht-Radioonkologen ist aber zu sehen, wie intensiv um eine optimale Therapie gerungen wird.

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