Rektumkarzinom – müssen ältere Patienten unterschiedlich behandelt werden?

von onco am 1. August 2011

Gelten die Empfehlungen für die Behandlung des Rektumkarzinoms auch für ältere Patienten. Am diesjährigen “World Congress on Gastrointestinal Cancer” wurde von Robert Glynne-Jones über das wichtige Thema referiert.

In Zukunft werden wir sehr viel mehr ältere Patienten mit einem Rektumkarzinom sehen. Die Studien wurden aber grösstenteils mit jüngeren Patienten durchgeführt. Gilt der derzeitige Standard einer entweder präoperativen kurzen Radiotherapie oder einer postoperativen Chemoradiotherapie auch für zum Beispiel über 85-jährige Patienten?

Bei den fitten Patienten, oder bei den offensichtlich multimorbiden Patienten ist die Entscheidung oft einfach. Unklar ist das Vorgehen bei den durchschnittlich fitten Patienten. Das Auftreten einer Inkontinenz ist wohl häufiger und hat intensivere Auswirkungen als bei jüngeren Patienten. Ein umfassendes geriatrisches Assessment hilft oft weiter.

Es bestehen aber weiter Unsicherheiten. In den bisherigen Studien war die Mortalität bei über 75-jährigen stets erhöht. In der Dutch TME Study war bei den unter 75-jährigen das Gesamtüberleben 70%, bei den über 75-jährigen 43%. Die Mortalität durch das Rektumkarzinom war nur leicht erhöht. Die Mortalität durch andere Ursachen jedoch 25-35%. Auch ohne Rektumkarzinom und entsprechende Behandlung ist die Mortalität verständlicherweise erhöht. Bei über 85-jährigen ist sie zum Beispiel 7.6% innert 30 Tagen und 28.9% innert 6 Monaten.

Eine intensive lokale Behandlung hat somit nicht mehr den gleichen Stellenwert. Auch gibt es Hinweise, dass Therapien bei älteren Patienten weniger wirksam sind. Wenig weiss man auch über das Ausmass von Nebenwirkungen zum Beispiel einer Radiotherapie.

Alternative — Radiotherapie

Gibt es aber Alternativen zu den bisherigen Therapien? Am Mount Vernon Cancer Center wurden retrospektiv Daten der Radiotherapie bei älteren Patienten mit einem Rektumkarzinom ausgewertet. Eine Symptomkontrolle konnte bei 50 bis 70% der Patienten erreicht werden (Blutungen, Schleimabgang, Durchfall, Schmerzen). Bei 58% der Patienten war eine komplette Remission, bei 27% eine partielle Remission erreicht worden. Das mediane Überleben war bei diesen Patienten zwischen 2 und 120 Monaten. Die hier eingesetzte HDR Brachytherapie ist somit eine gute palliative Therapie und eine vertretbare Therapie falls eine grössere Operation nicht möglich ist.

Alternative Chemotherapie — Probleme bei älteren Patienten

Die hämatologische Toxizität ist bei älteren Patienten häufiger. Aber auch eine Fatigue und Mucositis tritt vermehrt auf. Nausea und Erbrechen ist weniger häufig. Auch vor dem Start einer Chemotherapie müssen Patientencharakteristika beachtet werden wie Lebenserwartung, Komorbiditäten, funktioneller Status, Anfälligkeit/frailty, das soziale Netzwerk, Risiken der Eingriffe.

Abschliessend

Der Einsatz von Therapien bei älteren Patienten wird eine immer häufiger werdende Frage sein. Ein umfassendes geriatrisches Assessment ist vor einer Therapieentscheidung nötig. Nicht nur beim Rektumkarzinom: Wir müssen definitiv mehr wissen, ob und wie ältere Patienten unterschiedlich behandelt werden müssen.

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