Prostatakarzinom – welches PSA ist zu hoch?

von Urs am 2. Januar 2011

Kann eine einmalige PSA Bestimmung das Risiko für ein späteres Prostatakarzinom vorhersagen? Dies wird erforscht um gezieltere Screening Empfehlungen abgeben zu können.

Resultate von ca. 3500 Schwarzen und 6100 Weissen wurden retrospektiv analysiert (J Urol 2010; 183:946-951). Alle Männer waren zum Zeitpunkt der PSA Bestimmung ≤50-jährig und das PSA war <4 ng/mL

Je nach initialem PSA wurden die Patienten in Gruppen eingeteilt. Bei diesen Gruppen wurde das Risiko berechnet später ein Prostatakarzinom zu entwickeln.

  • Sowohl bei schwarzen als auch bei weissen Männern war das mediane PSA 0.7 ng/mL
  • Das Risiko ein Prostatakarzinom zu bekommen stieg bei einem initialen PSA >1.5 ng/mL.
    • bei schwarzen Männern 9.3-fach
    • bei weissen Männern 6.7-fach

Bei Berücksichtigung eines 9-jährigen Follow-up scheint ein PSA ≥1.5 ng/ml der beste Grenzwert zur Risikobeurteilung bezüglich Prostatakarzinom bei Männern unter 50 zu sein.

Die bisherigen Empfehlungen des National Comprehensive Cancer Network waren, dass

  • bei einem PSA grösser 0.6 ng/mL im Alter zwischen 40 und 50 jährliches PSA Screening ab 50 durchgeführt werden soll.
  • Gemäss der vorliegenden Arbeit kann diese Empfehlung auf Männer mit einem initialen PSA >1.5 ng/mL beschränkt werden.

Mir scheint klar:

  • je tiefer das initiale PSA, desto geringer das Risiko später ein Prostatakarzinom zu entwickeln.
  • Ob der Grenzwert 0.6 ng/mL oder 1.5 ng/mL sein soll, ist noch nicht klar.
  • Das Festlegen eines Grenzwertes ist nicht einfach aber wichtig. Es verhindert unnötige Untersuchungen.

Abschliessend

Die Empfehlungen zum PSA Screening sind weiterhin sehr im Fluss und je nach empfehlender Organisation sehr unterschiedlich. Dies vorallem nach Publikation von zwei Screening Studien, die zu entgegengesetzen Ergebnissen bezüglich Nutzen kamen.
U.S. Prostate, Lung, Colorectal, and Ovarian Cancer Screening Trial (PLCO) fand keinen Nutzen und
European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC) fand einen Nutzen.
Editorial: Screening for Prostate Cancer — The Controversy That Refuses to Die
Gute deutschsprachige Zusammenstellung

Grenzen des PSA Screenings

  • Entdecken eines Prostatakrebs, heisst nicht immer Retten eines Lebens.
    • Viele Prostatakarzinome werden nie zu einer eigentlichen Krankheit mit Beschwerden
    • Bei aggressiven Prostatakarzinomen hilft leider auch eine frühe Therapie nicht.
  • Falsch positive Tests
    • Die meisten Männer mit erhöhtem PSA haben kein Prostatakarzinom. Durchschnittlich wird ein Karzinom nur bei 25% der Biopsien gefunden.
  • Falsch negative Tests
    • Auch bei einem PSA im normalen Bereich kann ein Prostatakarzinom vorliegen
  • Ablärungen von erhöhtem PSA sind nicht ohne Risiko (Infektionen bei Prostatabiopsie)

Empfehlung

Bei uns hält man sich meist an die Empfehlungen der European Association of Urology.

  • Ein generelles PSA Screening wird nicht empfohlen
  • Frühe Diagnose (“Opportunistisches Screening”) sollte nur gut informierten Männern angeboten werden.
  • Unklar ist weiterhin
    • Alter bei dem opportunistisches Screening begonnen werden soll
    • Häufigkeit der Untersuchungen (PSA Bestimmung, Rektaluntersuchung)
  • Ausgangs PSA bei Alter 40 kann gemacht werden (keine randomisierte Studien vorliegend, aber gute sonstige Studien)
    • Wenn das initiale PSA ≤1 ng/mL ist, genügt ein Screening alle 8 Jahre
    • Falls das initiale PSA ≤3 ng/mL war, Männern älter als 75 Jahre kein Screening mehr empfehlen.

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