Prostatakarzinom – radikale Operation hilft nur bei Jüngeren?

von Urs am 12. Mai 2011

Eine radikale Prostatektomie reduziert die Prostatakarzinom Mortalität. Aber profitieren alle Patienten davon? Es wurden aktuelle Langzeitergebnisse einer schwedischen Studie publiziert (N Engl J Med 364 (2011) 1708-1717).

In den neunziger Jahren wurden 695 Männer mit frühem Prostatakarzinom randomisiert zwischen “watchful waiting” oder “radikaler Prostatektomie”. Die Resultate wurden bereits 2008 erstmals publiziert und jetzt der weitere Verlauf erneut ausgewertet.

Der mediane follow-up ist jetzt 12,8 Jahre.

Resultate

Prostatektomie Beobachtung
Alle Todesfälle 166 201
Todesfälle wg. Prostatakarzinom 55 81
Metastasen 81 123
Antiandrogene nötig 139 223

Auch im weiteren Verlauf profitieren Patienten von einer Prostatektomie. Es sterben insgesamt weniger Patienten nach der Operation an einem Prostatakarzinom. Aber auch die Gesamtmortalität wird vermindert. Auch Palliativ hat die initiale Operation einen Nutzen: Es treten weniger Metastasen auf und es sind weniger häufig Antiandrogene nötig. Der Nutzen ist aber nur bei Patienten unter 65 Jahren nachweisbar. Dies ev. da ältere Patienten vermehrt an anderen Kranheiten sterben als am Prostatakarzinom.

Abschliessend

Vor allem beim Prostatakarzinom sind Langzeitresultate wichtig. Deshalb ist diese erneute Auswertung der SPCG-4 Studie wichtig. Eine radikale Operation hat eindeutige Vorteile gegenüber lediglich Beobachtung des Krankheitsverlaufs und Therapie bei Bedarf. Dass die Wirkung nur bei jüngeren Patienten nachweisbar ist zeigt erneut, dass die Indikation den gesamten Gesundheitszustand des Patienten berücksichtigen muss. Im Gespräch mit dem Patienten sollten auch die Nebenwirkungen berücksichtigt werden. Die in der Studie noch berichteten 58% Impotenz und 32 % Urininkontinenz sind mit den heutigen Operationstechniken sicher nicht mehr so häufig. Aber immer noch entscheidend für die Lebensqualität.

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