Palliative Care bei Demenz

von onco am 27. Mai 2011

Demenz in der letzten Lebensphase wird immer häufiger. Zur Zeit stirbt fast jeder dritte mit einer Demenz. Am diesjährigen europäischen Palliativkongress wurde mehrfach über die Betreuung dieser Patienten diskutiert.

Problemkreis

J. T. van der Steen von Amsterdam referierte über allgemeine Problemkreise.

Viele Patienten sterben in Institutionen. Meist nach wiederholten Infektionen bei zunehmender Pflegebedürftigkeit.

Familien berichten über eine schlechte Terminalbetreung, wenn das Betreuungsteam sich nicht immer wieder neu auf die Bedürfnisse des Patienten und der Angehörigen einstellt.

Von den Familien wird der Wunsch des Patienten nach einem würdevollen Tod möglichst ohne schwere Symptome als gleich wie bei Patienten ohne Demenz beschrieben. Also mit dem Ziel einer guten Behandlung von Schmerzen, Atemnot und anderen Beschwerden.

In einigen Ländern sind belastende und das Leben verlängernde Interventionen noch üblich.

Die EAPC hat sich zum Ziel gesetzt die Palliative Care bei Demenz vermehrt zu unterstützen und auch Leitlinien zu erarbeiten.

Behandlung

L. Volicer von Florida referierte über die Behandlung einzelner Symptome. Dies mit dem Ziel die Lebensqualität und Würde der Patienten möglichst zu erhalten. Drei Bereiche schienen ihm wichtig

  • Sinnvolle Aktivitäten – Dies sollte auch bei fortgeschrittener Demenz ein Ziel sein. Es betrifft tägliche Aktivitäten, aber auch körperliche, geistige und kreative Aktivitäten. Angepasst dem Stadium der Demenz. Bei frühen Stadien heisst dies auch Gedächtnistraining. Bei schweren Demenzen zB. Namaste Care.
  • Verhaltensprobleme – Wenn die Patienten allein sind kann dies Agitation oder Apathie sein. Oder im Kontakt mit Betreuenden ein Abwehren von Hilfe.
    Agitation und Apathie werden durch sinnvolle Aktivitäten vermindert.
    Ablehnen von Hilfe geschieht meist, wenn Patient nicht versteht was der Helfende möchte.
    Aber auch Depressionen, Verwirrung und Halluzinationen können vorkommen. Depressionen sind häufig. Sie werden meist zuwenig erkannt und behandelt.
  • Medizinische Probleme – Die medizinische Betreuung muss individuell angepasst werden. Nebenwirkungen können vom Patienten oft nicht mitgeteilt werden und müssen möglichst verhindert werden.
    • Eine Wiederbelebung ist praktisch nie indiziert.
    • Eine Verlegung ins Spital sollte mit Zurückhaltung veranlasst werden.
    • Eine Antibiotika Therapie ist weniger wirksam als bei nicht dementen Patienten. Meist ist sie auch nicht nötig um das Wohlbefinden zu erhalten.
    • Eine Ernährung durch eine Sonde bringt keinen Nutzen und ist eine Belastung für die Patienten. Nahrungsverweigerung kann durch Anpassen der Diät, durch Antidepressiva oder Dronbinol angegangen werden. Verschlucken respektive Aspiration kann durch ACE-Hemmer und Amantadine vermindert werden.

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