Mammographie Screening – Vorteile und Nachteile

von onco am 7. Februar 2011

Das Mammographie Screening wird von den meisten Expertengruppen als eine sinnvolle Untersuchung angesehen. Wie können Sie sich aber selbst über Vorteile und Nachteile informieren?

Es gibt sehr viele Studien zum Mammographie Screening. Dies macht eine Übersicht schwierig. Als Hilfe zur Entscheidungsfindung folgen hier einige aktuelle Daten
(Stand September 2010) .

Brustkrebshäufigkeit

  • 1998 in den USA: 118 Erkrankungen /100’000 Frauen /Jahr.
  • Bei etwa 30 Patientinnen /100’000 Frauen pro Jahr war dies eine tödliche Erkrankung. Dies scheint sich zu ändern.
    2006 starben noch etwa 23 Patientinnen /100’000 Frauen pro Jahr an einem Mammakarzinom in den USA.

Diese Daten entsprechen mit kleineren Variationen den Risiken in den meisten industrialisierten Staaten.
Sind diese Angaben aber hilfreich? Andere Möglichkeiten die Brustkrebshäufigkeit zu beschreiben sind folgende.

Häufigkeit im Alter des Mammographie Screenings

Im Kanton St.Gallen leben ca. 55’000 Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren. Neuste Daten aus dem Krebsregister St.Gallen-Appenzell zeigen, dass in dieser Altersgruppe in unserer Region durchschnittlich 130 Frauen pro Jahr an Brustkrebs erkranken. (Aus Broschüre Donna).

Häufigkeit in der Region

Im Jahr 2008 wurden 319 Frauen mit der Diagnose Brustkrebs neu konfrontiert. 99 Frauen sind in 2008 in der Region an Brustkrebs gestorben. Die Inzidenzrate beträgt 92.2 Fälle /100‘000 Frauen. (Krebsregister St. Gallen)

Risiko während der Lebenszeit

Jede sechste Frau erkrankt einmal im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Jede achte Frau an einer invasiven Form von Brustkrebs. (SEER Database)

Auf das Alter bezogen

“Richtig ist, dass die Wahrscheinlichkeit für ein weibliches Neugeborenes, irgendwann bis zum 80. Lebensjahr an Brustkrebs zu erkranken, etwa 10,2 Prozent beträgt. Die meisten Fälle treten erst ab 50 auf. Für eine 55-jährige Frau, die noch nicht erkrankt ist, beträgt das Risiko, bis zum 80. Lebensjahr zu erkranken, nur 6,4 Prozent – stirbt sie nicht vorher aus anderen Gründen. Für eine nicht erkrankte 65-Jährige beträgt das Restlebenszeitrisiko gar nur 3,2 Prozent.” (Deutsches Ärzteblatt 101/36, 2004)

Absolute Risiken

“Für die Beratung einzelner Frauen sind die absoluten Risiken relevant, auch wenn sie größenmäßig nicht so sehr beeindrucken…. abgeleitet aus denselben altersspezifischen Inzidenzzahlen, für Frauen zwischen 50 und 80 Jahren [liegen sie] bei 0,2 bis 0,3 Prozent …”(Deutsches Ärzteblatt 101/36, 2004)

  • Welche dieser Zahlen hilft in der Entscheidung zur Teilnahme im Mammographie Screening?
  • Ist die Brustkrebserkrankung mit 80 Jahren gleich zu werten, wie eine Erkrankung mit 50 Jahren?
  • Sind für einen Gesundheitsökonomen die gleichen Zahlen wichtig, wie für eine betroffene Frau?

Was bringt ein Mammographie Screening?

Es ist gesichert, dass durch das Screening weniger Frauen an Brustkrebs sterben. Dies durch eine frühere Diagnose.

Wenn man die Zahlen der Kritiker eines Screenings nimmt, sind dies 15% weniger Frauen, die an einem Mammakarzinom sterben. (Cochrane Database). Die Angaben schwanken sonst zwischen 15-25% Risikoreduktion.

Nebst der Kritik an der Qualität einzelner Studien, wird diskutiert, ob der in den Studien gefundene Nutzen auch in der alltäglichen Arbeit bestehen bleibt. Auf der anderen Seite ist nicht ganz sicher, was zur Hauptsache die Sterblichkeit verminderte – das Mammographie Screening oder die in der gleichen Zeit verbesserte Behandlung des Mammakarzinoms.
In der Praxis spielen diese Diskussionen eine geringere Rolle. Ein Screening sollte ohnehin einen hohen Qualitätsstandard haben. Ebenso sollte mit einem Screening auch eine Vernetzung zum aktuellen Therapiestandard hergestellt werden.

Wie können nun die Zahlen dargestellt werden?

Es gibt hier zwei Möglichkeiten.

Prozent Angaben?

“Durch diese systematische und regelmässige Röntgenuntersuchung (Mammografie-Screening) kann die Brustkrebssterblichkeit bis zu 25% gesenkt werden.” (Broschüre Donna)

Absolute Zahlen?

” … eine vernünftige Schätzung ist eine 15% Risikoreduktion, was einer Reduktion des absoluten Risikos um 0.05% entspricht. Das heisst wenn sich 2000 Frauen im Verlaufe von 10 Jahren regelmässig einem Screening unterziehen, wird eine Frau einen Nutzen daraus ziehen, da sie vermeidet, an Brustkrebs zu versterben.” Cochrane Database

Prozentangaben sind zwar flexibler. Wie oben erwähnt wird das Risiko als sehr unterschiedlich erlebt. Die Prozentangaben können auf alle Darstellungen übertragen werden.
Die absoluten Zahlen sind aber wichtig. Subjektiv wird das Risiko oft unterschätzt und der Nutzen der Mammographie oft überschätzt. Die absoluten Zahlen geben eine genauere Vorstellung.

Was sind die Schattenseiten eines Mammographie Screenings?

Dies betrifft nicht einfache Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Schmerzen bei der Mammographie.

Falsch positive Tests

Jede Untersuchung kann auf eine Krankheit hinweisen, obwohl keine vorhanden ist. Dies wird als falsch positiver Test bezeichnet. Bei der Mammographie bedeutet dies, dass trotz auffälliger Mammographie in den weiteren Abklärungen keine Krebserkrankung nachgewiesen werden kann.
In amerikanischen Screening Programmen werden in bis 11% der Mammographien Zusatzuntersuchungen nötig. 90% davon erweisen sich in der Folge als gutartige Veränderungen.
Das St. Galler Projekt rechnet damit, dass 5% der Mammographien weiter abgeklärt werden müssen und davon 80% gutartige Befunde zeigen. (Broschüre Donna)

Überdiagnose

Auch wenn Krebszellen in den weiteren Abklärungen gefunden werden, heisst dies noch nicht, dass daraus im Leben dieser Frau auch wirklich eine behandlungsbedürftige Erkrankung geworden wäre. Dies wird als Überdiagnose bezeichnet.
Die Häufigkeit ist schwer abzuschätzen. Einzelne Untersucher gehen davon aus, dass eine von drei im Screening entdeckten Krebserkrankungen einer Überdiagnose entspricht. (Breast Cancer Res. 2005;7(5):230-4, BMJ. 2009;339:b2587, BMJ. 2006;332(7543):689-92)

Ductales Carcinoma in Situ

Mit der Zunahme des Mammographie Screenings hat auch die Diagnose des Carcinoma in Situ zugenommen. Der natürliche Verlauf dieser Krebsvorstufe ist nicht klar. Es wird deshalb befürchtet, dass hier eine Überdiagnose wie oben beschrieben entstanden ist.

Strahlenbelastung

Ionisierende Strahlung erhöht das Krebsrisiko. Diese Erfahrungen kommen aber von einer viel höherer Strahlenbelastung. Modellberechnungen gehen davon aus, dass die Strahlenbelastung im Bezug auf den Nutzen der Mammographie vernachlässigt werden kann. Dies betrifft aber ev. nicht Frauen mit genetisch erhöhtem Krebsrisiko. Diese Frauen haben eventuell ein höheres Krebsrisiko bei gleicher Strahlendosis.

Wie werden nun diese Schattenseiten einfach erklärt?

Nur beschreibend?

Dies wird in der Broschüre der Krebsliga St. Gallen so gehandhabt. (Broschüre Donna)

Mit Zahlen?

“Wenn sich 2000 Frauen im Verlaufe von 10 Jahren regelmässig einem Screening unterziehen, wird eine Frau einen Nutzen daraus ziehen, da sie vermeidet, an Brustkrebs zu versterben.
Gleichzeitig werden 10 gesunde Frauen durch das Screening unnötigerweise zu Brustkrebs-Patientinnen und deshalb behandelt. Diesen Frauen wird man entweder einen Teil oder die ganze Brust abnehmen, häufig werden sie nachbestrahlt, manchmal auch einer Chemotherapie unterzogen.
Ferner wird bei 200 Frauen ein falscher Alarm ausgelöst. Die psychische Belastung bis zur endgültigen Abklärung, ob tatsächlich ein Krebs vorliegt, kann gravierend sein.” (Broschüre der Cochrane Review)

Risikogruppen

Vor- und Nachteile eines Vorgehens werden anders gewichtet, je nach vorliegendem Risiko.
Risikogruppen sind

  • Normales Risiko (Lebenszeit Risiko unter 15%)
  • Hohes Risiko (Lebenszeit Risiko 20-25%)
  • Mässig erhöhtes Risiko (Lebenszeit Risiko über 15%)

Die üblichen Empfehlungen betreffen Frauen mit normalem Risiko. Bei anderen Frauen sollte das Screening von einem Brustkrebszentrum festgelegt werden.

Hilfreiche Quellen

Haben Sie noch Ideen oder Hinweise zur Präsentation der Vor- und Nachteile der Mammographie?

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{ 1 Kommentar… lese ihn unten oderschreibe selbst einen }

Hermann Februar 7, 2013 um 21:26

In diesem Artikel werden nur die Schattenseiten betrachtet, die sich auf das Risiko beziehen, vielleicht unnötig eine Brustoperation oder eine Chemo über sich ergehen lassen zu müssen.
Wie ist aber die Situation, wenn durch das Screening Krebsschäden in anderen Bereichen ausgelöst werden? Die Strahlung macht ja in der Brust nicht halt. Gibt es hierzu bereits Erkenntnisse und man möchte nicht darüber diskutieren? Vielleicht sind gerade hier die Frauen betroffen die ein erhöhtes genetisches Risiko besitzen es aber nicht wissen. Könnte nicht die Leber unterhalb der Brust geschädigt werden?

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