Mammakarzinom – neue Substanzklasse verlängert Überleben

von onco am 17. Januar 2011

Es ist nicht häufig, dass eine Chemotherapie das Überleben verlängert. Deswegen werden die jetzt publizierten Resultate von Iniparib beim tripel negativen Mammakarzinom oft zitiert.

Die DNA ist ständigen Schäden ausgesetzt. Die Reparatur dieser Schäden ist komplex und es sind multiple Gene mit verschiedenen untereinander vernetzten Reparaturwegen involviert. PARP sind eine Gruppe von Enzymen, die in der Reparatur von DNA Brüchen beteiligt sind. Inhibitoren dieser Enzyme, PARP Inhibitoren, verhindern diese Reparatur. Sie werden im Einsatz als Chemotherapeutika untersucht.

Tripel negative Mammakarzinome, also Mammaarzinome ohne Nachweis von Hormonrezeptoren und HER2, haben im Rezidiv eine schlechte Prognose.

O’Shaugnessy und Kollegen untersuchten die Wirksamkeit von Iniparib, einem PARP Inhibitor in dieser Patientengruppe. (N. Engl. J. Med. 2011 Jan. 5 ). Diese Patientinnen erhielten entweder eine Chemotherapie mit Gemcitabin und Carboplatin, oder die gleiche Chemotherapie mit zusätzlich Iniparib. Studienendpunkt war die Summe von CR, PR und stabiler Erkrankung für über 6 Monate (= klinischer Benefit).

Der klinische Benefit stieg mit Iniparib von 34% auf 56% (Ansprechen als Summe von CR und PR von 32% auf 52%). Das Überleben verbesserte sich von median 7.7 Monaten auf 12.3 Monate. Die Nebenwirkungen waren in den zwei Gruppen nicht unterschiedlich.

Die zusätzliche Gabe von Iniparib scheint sowohl den klinischen Benefit als auch das Überleben zu verbessern. Eine Phase III Studie ist geplant.

Abschliessend

Diese Ergebnisse lassen auf ein neues gut verträgliches Medikament bei dieser sonst kaum behandelbaren Patientengruppe hoffen. Aber wie auch von der Studienleiterin beschrieben, müssen die Resultate mit Vorsicht aufgenommen werden.

  • Es ist eine kleine Studienpopulation.
  • Die Endpunkte wurden von den Untersuchern selbst beurteilt.
  • Die gewählte Chemotherapie (Gemzar und Carboplatin) ist nicht typisch.
  • Die prognostischen Faktoren waren nicht gleichmässig zwischen den Gruppen verteilt. In der Iniparib Gruppe fanden sich mehr prognostisch gute Patientinnen.
  • Die gewählte Substanz ist nicht ein idealer PARP Inhibitor. Ein Teil der Wirkung könnte also unabhängig von der PARP Hemmung kommen.

Die geplante Phase III Studie muss also sicher noch abgewartet werden. Falls sich die Resultate aber bestätigen, wird ein neues Therapieprinzip eingeführt. Eine zytotoxische Chemotherapie wird direkt mit einem die Reparaturmechanismen blockierenden Agens zusammen gegeben.

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