Mammakarzinom bei älteren Frauen – hat eine suboptimale Behandlung Folgen?

von Urs am 4. Januar 2011

Eine Unterbehandlung der ältesten Patientinnen führt auch zu schlechteren Resultaten. Das Mammakarzinom verhält sich im Alter nicht anders als bei jüngeren Frauen.

Daten über den Krankheitsverlauf bei Frauen über 80 sind beschränkt. Daneben sind bisherige Studienresultate über die Unterbehandlung des Mammakarzinoms in dieser Altersgruppe nicht konklusiv.

Deshalb wollte eine Studiengruppe mehr wissen. Sie untersuchte die Tumorcharakteristika, den Krankheitsverlauf und die Behandlungen, die über 80-jährige Frauen erhielten. Sie wurden aus Medicare Daten von 1992 bis 2003 herausgesucht. (J Clin Oncol; 28: 2038-2045)

Insgesamt wurden Daten von 49’616 Frauen zusammengestellt, die über 67-jährig waren und ein Mammakarzinom Stadium I oder II hatten. 21.8% der Frauen waren über 80-jährig.
Bei den über 80-jährigen Frauen fand man

  • Grössere Tumoren und häufigeren axillären Lymphknotenbefall.
  • Man entschloss sich weniger häufig zu Lymphknotenuntersuchungen und
  • weniger häufig zu Operationen (Mastektomie oder brusterhaltend mit Radiotherapie)
    • wenn 67-79-jährig: zu 91.7% bei Stadium I, zu 94.5% bei Stadium II
    • wenn über 80-jährig: zu 66.8% bei Stadium I, zu 76.1% bei Stadium II
  • weniger häufig zu Chemotherapien
    • zu unter 40%, wenn 80-84-jährig
    • zu unter 20%, wenn über 85-jährig
    • zu über 80%, wenn 67-69-jährig.

In allen Altersgruppen waren andere Todesursachen häufiger als das Mammakarzinom. Aber das Mammakarzinom als Todesursache nahm mit dem Alter zu. Verglichen mit der Altersgruppe 67 bis 69-jährig war das Risiko wegen eines Mammakarzinoms zu sterben

  • 20% höher, wenn 80 bis 84-jährig
  • 50% höher, wenn 85 bis 89-jährig
  • 80% höher, wenn über 90-jährig.

Absolut starben 8.2% der Frauen im Alter 67 bis 69 an einem Mammakarzinom, 15.1% der Frauen im Alter über 90.

Abschliessend

Das Mammakarzinom scheint nicht wesentlich unterschiedlich zu sein bei jüngeren und älteren Patientinnen. Die Behandlung ist aber unterschiedlich. Entsprechend ist das Outcome schlechter bei älteren Frauen.

Diese Resultate sind ein starkes Argument, dass auch bei älteren Frauen die gleichen Standards angewendet werden sollte. Natürlich müssen die Komorbiditäten und die anderen Zielsetzungen der Patienten in diesem Alter mit berücksichtigt werden.

Eine Behandlung in einer gut vernetzten Onkologie ist deshalb essentiell. Weder sollten aufgrund von Vorurteilen nur wegen des Alters Behandlungen nicht oder nur suboptimal durchgeführt werden. Noch sollten Patientinnen entgegen ihrer Wünsche oder ohne Berücksichtigung der sonstigen gesundheitlichen und sozialen Situation therapiert werden.

Möchten Sie über neue Artikel informiert werden?
Geben Sie Ihre E-Mail Adresse an!

Schreibe einen Kommentar

Früherer Artikel:

Späterer Artikel: