Magenkarzinom – was ist die richtige Chemotherapie?

von onco am 15. Juli 2011

Darüber referierte Andrés Cervantes am diesjährigen “World Congress on Gastrointestinal Cancer”. Er gab eine Übersicht über den jetzigen Stand des Wissens.

Zielsetzung der Therapie

Die Zielsetzung sollte immer vor einer Diskussion der Chemotherapie geklärt sein. Wird die Therapie zur Symptomkontrolle eingesetzt, zur Verbesserung der Lebensqualität oder um eine Verschlecherung der Lebensqualität zu vermeiden? Um eine Tumorprogression zu hinauszuzögern? Um das Überleben zu verlängern?

Hat die Chemotherapie überhaupt einen Nutzen?

Die Antwort gibt eine kürzliche Metaanalyse (Wagner AD, et al. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010, Issue 3). Eine Chemotherapie ist besser als “best supportive care”.

Wann sollte die Chemotherapie eingesetzt werden?

Der Einsatz früh ist besser als der Einsatz erst beim Auftreten von Symptomen (Glimelius et. al. Ann Oncol 1997)

Wie ist die individuelle Prognose?

  • Ein schlechter Allgemeinzustand (Performance status 2 und mehr),
  • Lebermetastasen,
  • Peritonealmetastasen oder
  • eine erhöhte alkalische Phosphatase

sind einfach klinisch zu erhebende Faktoren, die prognostisch sind. (Chau, J Clin Oncol 2004).

Es kann so zwischen einer Gruppe mit besserer Prognose (keine Faktoren vorhanden) und prognostisch schlechten Gruppen unterschieden werden. (schlechteste Gruppe medianes Überleben 4 Monate).

Welche Medikamente helfen

Aktive Zytostatike sind

  • 5-Fluorouracil,
  • orale Fluoropyrimidine wie Capecitabine oder S1,
  • Anthracyline – Doxorubicin oder Epirubicin,
  • Cisplatin oder Oxalplatin,
  • Docetaxel,
  • Irinotecan und
  • seit kurzem Trastuzumab.

Wenn diese Medikamente in Kombination eingesetzt werden ergibt sich ein kleiner aber signifikanter Vorteil (Wagner et al. JCO 2006). Diskutiert wird aktuell, ob Anthrazykline wirklich nötig sind. Sie werden in Dreierkombinationen eingesetzt.

Einen Vorteil gegenüber einer Vergleichsbehandlung konnte nur von Cisplatin, Docetaxel und Trastuzumab in Studien nachgewiesen werden. Oxaliplatin und Capecitabine und Irinotecan wurden als Therapiemöglichkeit in noninferiority Studien oder in Metaanalysen untersucht. Sie waren gleich wirksam wie Vergleichssubstanzen, aber besser verträglich

Ist eine Second line Therapie sinnvoll?

Dies wurde nur in einer randomisierten Studie untersucht (Thuss-Patience PC et al. J Clin Oncol 2009). Das Gesamtüberleben wurde mit einer Chemotherapie verbessert. Eine erneute Chemotherapie sollte deshalb Patienten in einem guten Allgemeinzustand vorgeschlagen werden.

Was für eine Chemotherapie soll empfohlen werden?

Hier ist zu beachten, dass nicht alle Medikamente – trotz vorhandener Studien – offiziell in dieser Indikation registriert sind.

  • In Studien sind ECF/ECX/EOX oder DCF Standards für neue Phase III Studien
  • Im klinischen Alltag ist eine Zweierkombination mit einem Platin (Cisplatin oder Oxaliplatin) und einem Fluorpyrimidin (5-FU oder Capecitabine) sinnvoll. Ebenso kann FOLFIRI eingesetzt werden.
  • ECF — Epirubicin, Cisplatin, 5-Fluorouracil
  • ECX — Epirubicin, Cisplatin, Capecitabine
  • EOX — Epirubicin, Oxaliplatin, Capecitabine
  • DCF — Docetaxel, Cisplatin, 5-Flurouracil
  • FOLFIRI — Folinsäure, 5-Fluorouracil, Irinotecan

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