Magenkarzinom – gibt es gezielte Therapien?

von onco am 18. Juli 2011

Bei vielen Karzinomen werden individualisierte und gezielte Therapien eingesetzt (targeted therapies). Ist dies beim Magenkarzinom auch möglich? Am diesjährigen “World Congress on Gastriontestinal Cancer” wurde eine Übersicht gegeben.

HER-2 ein neues Target beim Magenkarzinom?

Letztes Jahr wurde eine Studie im Lancet publiziert, die erstmals eine Wirkung einer gezielten Therapie beim Magenkarzinom zeigte (Lancet 2010 Bang Y et al). 22.1% der getesteten Patienten hatten eine Überexperssion von HER-2. Je mehr das HER-2 exprimiert wurde, desto besser war die Wirkung vom zusätzlich zur Chemotherapie eingesetzte Herceptin. Typisch war, dass beim Magenkarzinom die HER-2 Positivität im Tumor sehr heterogen war.

Ein Therapiealgorithmus könnte derzeit so aussehen:

  • Bei einer starken HER-2 Überexperssion (3+), Gabe von Herceptin zusätzlich zur Chemotherapie.
  • Bei fehlendem oder schwachem Nachweis lediglich Gabe von Chemotherapie.
  • Bei mittlerer Anfärbung in der Immunhistochemie (2+) Testung mit FISH. Wenn dieser Nachweis positiv, dann ebenso Gabe von zusätzlich Herceptin.

In den UK wurde eine Kosteneffizienz Studie durchgeführt (NICE) Bei einer Immunhistochemie 3+ ist der Einsatz von Herceptin kosteneffizient (Überleben median zusätzliche 5.6 Monate mit zusätzlichen Kosten von 45-50’000 Pfund, was als akzeptable Kosten angesehen werden).

Geforscht wird derzeit daran die Resistenzen auf die HER-2 Blockade zu beeinflussen, den Stellenwert der HER-2 Blockade im perioperativen Setting zu klären und alternative HER-2 Inhibitoren zu entwickeln


Andere Targets

EGFR

Hier werden nur selten Mutationen gefunden. Aber eine EGFR Aktivierung kann auch durch eine E-Cadherin Mutation auftreten. Diese Mutation ist häufiger (20% der Patienten).

Auf EGFR zielende Therapien beim Magenkarzinom wurden in einigen Phase II Studien untersucht. Es wurden Remissionen bis 55% gefunden. Cetuximab ist ev. aktiv. Auch am diesjährigen ASCO wurden Arbeiten präsentiert. Ebenso ist eine AIO Studie laufend.

Es wird sich zeigen, ob hier ein neuer Therapieansatz gefunden wird.

mTOR

Es gibt beim Magenkarzinom eine Subgruppe mit hoher Expression. Diese ist mit einer Aktivierung der Angiogenese verbunden.

Es müssen auch hier Studienresultate abgewartet werden. Bisher liegen keine reifen Resultate vor.

Angiogenese

Phase II Studien über den Einsatz von einer Angiogenesehemmung beim Magenkarzinom sind erfolgversprechend.
Am ASCO 2010 wurde zB. eine Studie vorgestellt (Kang ASCO 2010). Untersucht wurde, ob die Gabe von Avastin zur Gabe von Cisplatin und Xeloda zusätlich einen Nutzen bringt. Obwohl das Gesamtüberleben nicht beeinflusst wurde, verbesserte sich das progressionsfreie Überleben und die Ansprechsrate.

Weitere Studien scheinen gerechtfertigt zu sein.


Catumaxomab

Faszinierend ist der Einsatz eines Antikörpers bei Peritonealmetastasen.

Catumazomab ist ein trifunktionaler Antikörper, Catumaxomab genannt. Er bindet an den Tumor via EpCAM. Daneben bindet er T-Lmyphozyten, Makrophagen und T Killer Zellen. Dies durch ein Anti-epitheliales Zell-Adhäsion Molekül gekoppelt mit einem Anti-CD3.

Die intraperitoneale Gabe nach einer Aszites Punktion verlängerte das “punktionsfreie Überleben” (Int J Cancer 2010, 127, 2209-2221, Heiss et al.). Es sind Studien geplant über den Einsatz bei minimaler Peritonealcarcinose.

Zusammenfassend

Wie in der gesamten Onkologie (Wikipedia, NCI) entwickelt sich der Einsatz von gezielten Therapien auch beim Magenkarzinom recht rasch. Es scheinen recht erfolgreiche Therapieansätze zu entstehen.

Möchten Sie über neue Artikel informiert werden?
Geben Sie Ihre E-Mail Adresse an!

Schreibe einen Kommentar

Früherer Artikel:

Späterer Artikel: