Krebspatienten – wie behandelt man saisonale Grippe und H1N1 Infektionen?

von Urs am 21. Dezember 2010

Insbesondere Patienten mit Blutkrebs brauchen eine intensivere Therapie bei einer Grippe oder H1N1 Infektion (Schweinegrippe). Wie muss man diese Patienten behandeln?

Es ist bekannt, dass Krebspatienten zu den sogenannten Risikogruppen bei der saisonalen Grippe und bei der als Schweinegrippe bezeichneten H1N1 Infektion gehören. Eine Gruppe in Seattle machte sich deshalb die Mühe alle bisherigen Publikationen durchzugehen. Sie veröffentlichten dann eine sehr gute Übersichtsarbeit (Blood 2010; 115: 1331-1342)

Wie sind die Symptome?

Diese sind ähnlich, wie bei Patienten mit normaler Abwehr.

  • Erkältungssymptome, Schnupfen, Halsschmerzen, Husten
  • Starkes Krankheitsgefühl
  • Kopfschmerzen, Gliederschmerzen

Aber Fieber und Allgemeinsymtome sind weniger ausgeprägt! Insbesondere nach Hochdosistherapie und Stammzelltransplantation.

H1N1 Infektionen können mit Magen-Darm Beschwerden oder neurologischen Symptomen präsentieren.

Diagnose

Grippeschnelltests weden zum Teil kritisch beurteilt. Untersuchungen von Rachenabstrichen, Nasenspülwasser oder von mit einer bronchoalveolären Lavage (BAL) gewonnenem Bronchialsekret in spezialisierten Labors (PCR) sind immer noch die einzigen verlässlichen Tests.

Therapie

Empfohlen werden hoch dosiert Oseltamivir (Tamiflu® – 150 mg 2x pro Tag) oder inhaliertes Zanamivir (Relenza® – 10 mg 2x pro Tag). Derzeit wird die Wirksamkeit von Tamiflu® diskutiert.

Die Therapie sollte auch begonnen werden, wenn Beschwerden länger als 2 Tage vorhanden sind. Ebenso muss die Behandlung mit 10 Tagen doppelt so lange wie üblich durchgeführt werden.

Prophylaktische Therapie

Eine vorbeugende Behandlung nach Kontakt mit Grippepatienten ist möglich. bei Zanamivir wird mit der gleichen Dosis wie bei einer Erkrankung behandelt. Bei Oseltamivir mit der halben Dosis

Lungenentzündung

Dies ist eine gefährliche und möglicherweise tödliche Komplikation einer Grippeerkrankung. Sie tritt im Mittel 1 Woche nach Beginn er Infektion auf. Sie kann durch Bakterien oder Pilze kompliziert werden. Es ist eine frühe Diagnose mit bronchoalveolärer Lavage (BAL) nötig. Sie braucht eine hoch dosierte Therapie mit Antiviralen Medikamenten. Einige Patienten profitieren von einer Kortisonbehandlung.

Impfung und andere vorbeugende Massnahmen

Eine Grippeimpfung ist bei den meisten Blutkrebserkrankungen zu 100% wirksam. Aber beispielsweise

  • Beim Multiplen Myelom gibt es einen genügenden Impfschutz in weniger als 20%.
  • Bis ein halbes Jahr nach Hochdosistherapie mit Stammzelltransplantation gibt es keinen sicheren Impfschutz.
  • Ebenso kein genügender Impfschutz entsteht bei einer Impfung innert 1 Woche nach einer normalen Chemotherapie.

Sonstiges wie

  • Händewaschen
  • Abstand halten
  • Masken

hilft auch die Ansteckungsgefahr zu mindern.

Zusammenfassung

Rasche Diagnose, frühe intensive Behandlung mit Antiviralen Medikamenten und konsequente Infektionskontrollen helfen wirksam bei der saisonalen Grippe und H1N1 Infektionen auch bei Krebspatienten.

Wichtig scheint mir, dass es erneut aufzeigt, wie wichtig es ist, dass Patienten, aber auch Angehörige und insbesondere die im Gesundheitswesen tätigen Personen sich impfen lassen. Was kann getan werden, dass sich im Gesundheitswesen mehr impfen lassen? Ihre Kommentare würden mich interessieren!

mehr unter
GrippeInfo
Bundesamt für Gesundheit
Gemeinsam gegen Grippe (BAG)

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