Frühe Palliative Care – der neue Gold Standard bei Krebspatienten

von Urs am 17. November 2010

Eine gute und frühe Palliative Betreuung führt nicht nur zu einer besseren Lebensqualität. Sie kann sogar das Überleben verlängern (11.6 vs. 8.9 Monate). Und dies obwohl bei der intensiveren Palliative Care weniger aggressive End-of-life care durchgeführt wurde (33% vs. 54%). Publiziert wurde diese Studie im New England Journal of Medicine 2010;363:733-42. Diese Arbeit ist ein Beispiel des aktuellen Verständnisses von Palliative Care. Sie wurde in den letzten Wochen oft zitiert.

Einerseits muss das immer noch häufige “entweder-oder” Denken über Bord geworfen werden:
Entweder Behandlung respektive Heilung der Grundkrankheit oder Mindern des Leidens und Verbesserung der Lebensqualität.
Ziel ist ein sowohl als auch.
Schon während der Operation, Radiotherapie oder Chemotherapie muss ein gleich grosses Gewicht auf ein Symptom Management und Verbesserung der Lebensqualität gelegt werden.

Daneben sollte auch breiter bewusst werden, dass in den letzten 5-10 Jahren die palliative Betreuung immer besser, effizienter und wirkungsvoller wurde. Es wurden Fortschritte gemacht. Die Betreuung in einem Hospiz, einer Palliativstation oder mit einem palliativen Betreuungsdienst ist besser als der gewohnte Betreuungsstandard. Dies hat die oben erwähnte Studie erneut klar gezeigt.

Eine optimale Palliativbetreung ist der Gold Standard. Nicht einfach eine unter verschiedenen Optionen.
Im Gespräch mit dem Patienten soll es nicht heissen: sie können eine Palliativbetreung haben wenn sie es wünschen, sie können Antibiotika haben wenn sie es wünschen, sie können Chemotherapie haben wenn sie es wünschen. Die Entscheidungsprozesse mit dem Patienten müssen das derzeitige Wissen einfliessen lassen.

  • Wir können jetzt meist dem Patienten genauer vorschlagen was nach bisherigen Erfahrungen die beste Lebensqualität bringt.
  • Wir wissen auch besser welche Massnahmen im einzelnen Fall wirklich indiziert sind.
  • Wir wissen auch viel mehr darüber, wie wir diese Therapien wirkungsvoll und effizient durchführen können.

Bis die Palliativbetreuung wirklich so ideal integriert ist, muss aber noch ein weiter Weg gegangen werden. Obwohl wir in den letzten Jahren viele Fortschritte gemacht haben. In vielen Versorgungsstrukturen wird eine Palliativbetreuung integriert. Palliativmedizin ist jetzt oft ein Fortbildungs- oder Weiterbidlungs-Thema.

Aber

Eine Umfrage 1998 der “American Society of Clinical Oncologists” zeigte noch, dass für 90% der Onkologen “Ausprobieren” die Hauptquelle für Informationen über Palliative Care war. Auch wurde in 38% eine eigene traumatische Erfahrung als wichtigste Informationsquelle angegeben.

  • Lehren wir jetzt Palliativmedizin wirklich besser?
  • Wissen und können wir wirklich mehr?

All die Erfahrungen einer palliativen Betreuung in

  • Symtpombehandlung
  • Interprofessionelle Arbeit
  • Multidimensionale Erfassung und Behandlung
  • Berücksichtigen Ethischer Themen
  • Akzeptanz des Sterbens
  • Einbringen der Patientenwünsche
  • Systemischer Ansatz

all das Wissen das wir jetzt über diese Punkte haben. Wie wir sie am besten umsetzen.

Wird dies wirklich besser vermittelt?

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