Computertomographie – Strahlenbelastung unterschätzt?

von Urs am 8. Januar 2011

Wissen Patienten genug über die Strahlenbelastung bei einer Computertomographie? Wie gross ist der Wunsch nach Abklärungen bei eigenen Beschwerden?

Was würden Sie antworten?

  • 2 bis 3 Computertomographien verursachen die gleiche Strahlenbelastung wie bei Überlebenden, die in der Nähe der Atombombe von Hieroshima gewesen waren. Stimmt das?
  • 2 bis 3 Computertomographien können das Krebsrisiko erhöhen. Stimmt das?
  • Wieviel grösser ist die Strahlenbelastung einer Computertomographie verglichen mit einem normalen Lungenröntgen?

Forscher des Cooper University Hospital in Camden, New Jersey befragten Patienten auf einer Notfallstation (Annals of emergency medicine: Dez. 2010).

1’168 Patienten meldeten sich dort wegen Bauchschmerzen. Ihnen wurden Fragen zu Abklärungen gestellt. Die Zustimmung zu den Aussagen wurde auf einer Skala von 0 bis 100 gewichtet.

Die Zustimmung zu einer medizinischen Untersuchung ohne Zusatzabklärung wurde mit 20 Punkten gewichtet. Wenn auch noch eine Laboruntersuchung und eine Computertomographie durchgeführt wurde, gaben sie 90 Punkte.

Mehr als 70% der Versuchsteilnehmer unterschätzten die Strahlendosis der Computertomographie verglichen mit einem normalen Lungenröntgen. Die Übereinstimmung zur Hieroshima Aussage bekam nur 13 Punkte. Die Aussage zum erhöhten Krebsrisiko nur 45 Punkte.

795 der 1168 Patienten auf der Notfallstation hatten bereits früher einmal eine Computertomographie bekommen.

Zusammenfassend

Patienten sind zufriedener, wenn bei den Abklärungen auch eine Computertomographie durchgeführt wird. Sie wissen aber zuwenig über die damit zusammenhängende Strahlenbelastung und unterschätzen ihre früheren Röntgenuntersuchungen.

Abschliessend

Seit längerer Zeit wird die erhöhte Strahlenbelastung durch Computertomographien unter Ärzten intensiv diskutiert (siehe z.B. Focus 2007, Welt online 2008). Die Anzahl der veranlassten Untersuchungen hat in den letzten Jahren zugenommen. Es wird versucht diese Untersuchungen auf das notwendige Minimum zu reduzieren.

Wie gross ist der Wunsch der Patienten nach einer Computertomographie? Diese Frage ist wichtig und die obige Untersuchung deshalb auch nötig.

Sie sollte aber nicht dazu benutzt werden die Patienten allein für die vielen Untersuchungen verantwortlich zu machen. Es darf auch nicht vergessen werden, dass die Studie in Amerika durchgeführt wurde. Wegen der immer drohenden juristischen Klagen wird dort sicher intensiver abgeklärt.

Die Diskussion der Problematik scheint mir schwierig. Eine Computertomographie bringt meist wirklich mehr Sicherheit. Das Einschätzen von Risiken und Prioritäten hängt immer von der Situation ab in der man ist. Die Gewichtung ist für uns vor dem Computerbildschirm sicher anders als bei Patienten mit Bauchschmerzen auf einer Notfallstation.

Wichtig ist, dass die Risiken einer Computertomographie nicht einfach als bekannt vorausgesetzt werden können. Es sollte immer betont werden, dass auch eine klinische Untersuchung ohne Bildgebung sehr oft eine gute diagnostische Sicherheit bringt.

Eine gute Zusammenstellung zur Strahlenbelastung gibt die Patienteninformation der Uni Bonn.

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